Freitag, 11. Januar 2019

Warum Schreiben verdammt harte Arbeit ist


Ich habe es getan. Verdammt, ich habe es getan, und ich weiß wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen soll!
Ihr merkt es vielleicht schon - der heutige Beitrag kommt mehr als nur ungeplant. Aber ich muss mir gerade einfach einiges von der Seele reden ... äh, schreiben.
Bevor ich anfange, komplett durchzudrehen und schreiend im Kreis zu rennen (es könnte nämlich durchaus sein, dass ich jeden Moment damit anfange), sollte ich euch besser kurz erklären, worum es geht.


Alles begann von ein paar Monaten (in einer weit, weit entfernten Galaxis ... okay, ich höre ja schon auf!), als mich eine E-Mail erreichte, die mir sagte, dass ich einen der begehrten Plätze in der Schreibwerkstatt Königsblau der Bohnenkamp-Stiftung ergattert hatte. Dem ging eine Bewerbung mit einem Probetext von mir voraus, wobei ich nie damit gerechnet hätte, tatsächlich angenommen zu werden. Wurde ich aber. So weit, so gut.


Vom 8. bis zum 12. Oktober 2018 durfte ich dann zusammen mit zehn weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern im wunderschönen Hotel Walhalla in Osnabrück (nur wenige hundert Meter von meiner Schule entfernt, übrigens ...) wohnen, mich schriftstellerisch erproben und unglaublich viel lernen. Begleitet wurde das Ganze von der Autorin und Journalistin Dr. Marie-Luise Braun und dem bekannten Reiseschriftsteller Dennis Gastmann. Individuelles Feedback von einem Bestsellerautoren also inklusive. So weit, so gut.


Ich könnte euch jetzt noch viel mehr vorschwärmen, denn ich habe die Zeit dort wirklich genossen, aber jetzt gerade beschäftigt mich etwas ganz Anderes, viel Beängstigenderes: DIE DEADLINE.
(Für alle, die jetzt gerne trotzdem noch mehr über die Schreibwerkstatt an sich erfahren möchten, gibt es einen Artikel über mich auf der Homepage meiner Schule inklusive sehr unvorteilhaftem Foto - aber ich schätze, das ist nun mal so, wenn man berühmt ist. (Kleiner Scherz.) Klickt einfach hier oder schaut mal direkt bei der Bohnenkamp-Stiftung vorbei.)


Nun aber endlich zu dem Grund meiner Aufregung (Verzweiflung, Erleichterung, totaler Kontrollverlust?!): Im Rahmen der Schreibwerkstatt wird es eine kleine Publikation seitens der Bohnenkamp-Stiftung geben und außerdem findet am 23. März eine Lesung mit Textausschnitten aus den Projekten aller Teilnehmer statt. Heute war der letzte mögliche Abgabetag für ebendiese Textausschnitte.
Nicht anders als ein Großteil der professionellen Autoren (heißt das, dass ich jetzt eine professionelle Autorin bin?), habe ich natürlich fast bis zur letzten Minute gewartet und am Text herumgewerkelt,
bevor ich dann auf die  „Senden"-Taste - oder, wie ich sie nenne, die Taste des Grauens - gedrückt habe. Ich wusste, von da an würde es kein Zurück mehr geben.
Und dabei - nein, eigentlich schon viel früher - ist mir eine Erkenntnis gekommen: Schreiben ist verdammt harte Arbeit.

Wisst ihr, ich fand den Ausschnitt, den ich für die Lesung vorgesehen hatte, echt gut. Ich war stolz darauf. Hielt ihn für hervorragend im Gegensatz zum Rest meines Noch-Möchtegern-Romans. Bis ich ihn gesondert betrachtet habe und anfing, ihn zu überarbeiten. Und noch einmal. Und noch einmal.
Und dann, kurz vor Abgabe, noch einmal. Und dabei stellten sich dann auf einmal - obwohl es sich bloß um zwei Wordseiten handelt - zehntausend Fragen. Der Satz, auf den ich zuvor so stolz gewesen war, passte auf einmal nicht. Hat es einfach gewagt, keinen Sinn mehr zu ergeben. Nach langem Hin und Her konnte ich aber letztendlich eine Entscheidung treffen: Weg damit! Es wurde gnadenlos gestrichen.

 Als nächstes fiel mir auf: Mist, da wiederholt sich dasselbe Wort innerhalb von zwei Absätzen drei- oder viermal! Das war zu viel, keine Frage. Aber dummerweise tauchten diese dummen, dummen Wörter genau in den Sätzen auf, die so herrlich stimmig gewesen waren, den Formulierungen, die noch vor nicht allzu langer Zeit so gut geklungen hatten! Aber es half alles nichts: Es mussten Maßnahmen ergriffen werden. Und das alles in letzter Minute.
Jetzt ist der Text abgeschickt. Die Perfektionistin in mir fragt sich ununterbrochen: War das genug? Ist jetzt alles wirklich so, wie ich es haben will? Und vor allem: Ist dieser Ausschnitt überhaupt präsentabel?
Es nützt ja alles nichts. Also versuch einfach ruhig zu bleiben, sage ich mir, fast wie ein Mantra.

Aber wisst ihr eigentlich, was mir am meisten Angst macht? Eben dass exakt die Szene, die ich zuvor für so gelungen gehalten hatte, letztendlich noch voller Baustellen war und vielleicht auch immer noch ist. Was ist denn dann erst mit dem Rest? Ich meine, ich versuche hier, einen Roman zu schreiben, und im Moment finde ich eigentlich sowieso fast alles, was ich in den letzten Wochen und Monaten produziert habe, einfach nur grauenhaft. Wenn die guten Stellen noch so ausbaufähig sind, was ist dann erst mit den schlechten?
Deswegen, liebe Autorinnen und Autoren da draußen: Ihr verdient meinen größten Respekt. Dafür, dass ihr durchhaltet, egal wie holprig euer Weg ist. Dafür, dass ihr aus den chaotischen Entwürfen, die eure wunderbaren Geschichten zu Anfang zweifelsohne sind, echte, lebendige Dinge zum Anfassen und Umblättern und Verlieben macht. Ich denke, ich habe jetzt den Hauch einer Ahnung, was ihr alles durchmacht, bevor ihr das fertige Buch in den Händen halten könnt. Beim nächsten Abgabetermin leide ich mit euch mit. Versprochen. Aber keine Angst, ihr schafft das schon!
Das musste jetzt einfach mal gesagt werden.

Und wisst ihr was? Egal, was für einen Mist ich im Moment auch produziere, ich werde versuchen ... nein, ich werde weitermachen und weiterhin Mist produzieren, bis das verdammte Ding fertig ist, und dann werde ich überarbeiten und überarbeiten und überarbeiten. Und auch, wenn mein Roman dann immer noch Mist ist - ich werde ihn trotzdem geschrieben haben, und das soll mir erst einmal einer nachmachen. Viele Leute erstellen sich ellenlange Listen mit Zielen für das neue Jahr - ich habe dieses eine. Ich weiß, es wird alles andere als leicht werden, aber hey - wenn es einfach wäre, wäre es ja auch keine Herausforderung. (Liebe Selbstzweifel: Challenge accepted!)

Auch wenn dieser Beitrag jetzt deutlich länger und noch chaotischer geworden ist als geplant, es hat unglaublich gut getan, sich das alles mal von der Seele zu schreiben.
Verratet mir doch gerne mal in den Kommentaren, ob ihr auch schreibt und ob ihr schon mal mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hattet oder ob das alles Quark ist, was ich erzähle! (Ich hoffe nicht. Sonst fange ich noch an, an meinem Verstand zu zweifeln ...)
Nach all dem Gejammer wünsche ich euch jetzt noch einen schönen und entspannten Abend!





1 Kommentar:

  1. Liebe Isabell,

    mega cool, dass du die Möglichkeit hattest, bei der Schreibwerkstatt zu schreiben! Herzlichen Glückwunsch! Ich hab mir grad die Fotos auf der Website angeschaut und ich muss sagen, die sind echt schön *_*.

    Ich schreibe nur Blogposts über Bücher - selber ein eigenes Buch zu schreiben, kann ich mir nicht vorstellen. Trotzdem finde ich deinen Post sehr super, weil ich deinen inneren Kampf richtig nachvollziehen kann. Ich mag deinen Schreibstil, ich sollte öfters hierherkommen!

    Ah und die Fotos von dir, z.B. das im Kornfeld, sind mega schön!

    Alles Liebe
    Mila <3

    www.dashausderbuntenbuecher.blogspot.com

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