Dienstag, 6. November 2018

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben würdest? ... „Am Ende sterben wir sowieso"

Hallo ihr Lieben!
Was würdet ihr tun, wenn ihr einen Anruf bekommen würdet, in dem man euch sagt, ihr hättet noch maximal 24 Stunden zu leben? Verzweifeln? Oder das Leben noch einmal so richtig in vollen Zügen auskosten?
Von mir gibt es heute eine Rezension zu dem kürzlich hier in Deutschland erschienenen Buch  „Am Ende sterben wir sowieso" von Adam Silvera, in dem sich die Protagonisten mit genau der Frage konfrontiert sehen ... Ob mich die Geschichte wohl überzeugen konnte?

Autor: Adam Silvera (aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier)
Verlag: Arctis Verlag
Seiten:
ISBN 978-3-03880-019-4
Preis: 18,00€ (Hardcover)


Inhalt:
Was wäre, wenn das Schicksal bei dir anklopft, um dich vor deinem bevorstehenden Tod zu warnen? Am 5. September, kurz nach Mitternacht, bekommen Mateo und Rufus einen solchen Anruf. Von der „Death Cast", die die undankbare Aufgabe hat, ihnen die schlechten Neuigkeiten zu überbringen: Sie werden heute sterben. Noch kennen sich die beiden nicht, doch aus unterschiedlichen Gründen beschließen sie, an ihrem letzten Tag einen neuen Freund zu finden. Die gute Nachricht lautet, dass es dafür eine App gibt: Sie heißt „Last Friend" und durch sie werden sich Rufus und Mateo begegnen, um ein letztes großes Abenteuer zu erleben – und um gemeinsam ein ganzes Leben an einem einzigen Tag zu verbringen.

Meine Meinung:
Adam Silvera dürfte vielen Jugendbuchliebhabern, die gerne auch mal zu fremdsprachigen Titeln greifen, längst ein Begriff sein. Auch ich habe immer wieder nur Positives über seine Werke gehört, sodass die Vorfreude bei mir groß war, als ich gehört habe, dass „Am Ende sterben wir sowieso" ins Deutsche übersetzt werden würde. Ganz besonders neugierig war ich darauf, ob ich mich nach Beenden der Lektüre den begeisterten Stimmen anschließen würde oder ob ich zu dem Schluss kommen würde, dass meine Erwartungen doch zu hoch waren ...


Direkt angesprungen hat mich bei diesem Buch die zweifelsohne außergewöhnliche Grundidee, von der ich so vorher noch nichts gehört/ gelesen habe (was auf dem deutschen Jugendbuchmarkt ja aktuell immer schwieriger wird). Die Idee, dass jeder Mensch kurz vor seinem Ableben einen Anruf vom sogenannten „Todesboten" bekommt, um sich von seinen Lieben verabschieden oder auch an seinem letzten Tag ein ganz neues Leben leben zu können, finde ich wirklich spannend - allerdings hatte ich das Gefühl, dass das Konzept nicht ganz ausgearbeitet war bzw. die eine oder andere kleine Lücke hatte. So wird zum Beispiel nie genau darauf eingegangen, wer oder was der Todesbote eigentlich ist - nur, dass es ihn gibt, dass er irgendwie die Vorhersagen trifft, wer am jeweiligen Tag sterben wird, und dass er diese Informationen irgendwie an die Telefon-Hotline vermittelt, deren Mitarbeiter wiederum die undankbare Aufgabe haben, die Menschen über ihr kommendes Schicksal aufzuklären. Mir ist zwar klar, dass das nicht der Hauptgesichtspunkt der Geschichte ist, aber dennoch haben mich einige der Fragen dazu wirklich beschäftigt und ich hätte gerne zumindest den Ansatz einer Antwort erhalten.


Ohne Zweifel ist dies ein Buch, das sehr zum Nachdenken anregt. Viele durchaus ernste Fragen werden hier teilweise von einem humorvollen, aber dennoch sehr nachdenklichen Tonfall ausgeführt und manchmal muss man einen Satz auch zwei- oder dreimal lesen, bis man merkt, was für ein tiefer Sinn eigentlich dahintersteckt.
 Fasziniert hat mich auch die Beziehung zweier völlig verschiedener Figuren, die aus unterschiedlichsten Umfeldern stammen und sich unter normalen Voraussetzungen wahrscheinlich nie begegnet wären. Aber normale Voraussetzungen sind weder für Rufus noch für Mateo gegeben: Beide haben den Anruf vom Todesboten erhalten, beide werden heute sterben. Vielmehr durch Zufall begegnen die beiden sich und beschließen, ihren letzten Tag miteinander zu verbringen, um über sich hinauszuwachsen und das Leben in vollen Zügen auszukosten.
Darüber hinaus fand ich spannend, dass nicht nur Rufus und Mateo abwechselnd zu Wort kommen und ihre Geschichte erzählen, sondern auch immer mal wieder kleinere Abschnitte aus den Perspektiven anderer Personen, die sich alle im Raum New York bewegen, aber ansonsten scheinbar nichts miteinander zu tun haben, eingebaut werden. Somit wird die Rahmenhandlung von vielen kleinen Subplots umgeben, die sich teilweise auch überschneiden, und die Erzählung wirkt deutlich authentischer und lebendiger.
Ebenfalls gefallen hat mir, dass Diversität hier ganz groß geschrieben wird. Adam Silvera ist als Stimme für mehr Vielfalt in der Jugendliteratur ja durchaus bekannt - und das ganz zu Recht.


Obwohl mich die Geschichte an vielen Stellen sehr berühren konnte, muss ich zugeben, dass mich das Ende letztlich ein wenig enttäuscht hat - aus Spoilergründen kann ich auf diesen Punkt allerdings nicht näher eingehen. Ich kann aber sagen, dass ich mir angesichts der starken Message, die das Buch vermittelt, ein wenig mehr erhofft habe. Das heißt aber nicht, dass ich die Lektüre nicht insgesamt doch genossen habe.

Fazit:
„Am Ende sterben wir sowieso" konnte mich zwar nicht in allen Punkten zu 100% überzeugen, aber ich halte es dennoch für lesenswert. Wer auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Jugendbuch mit starken Charakteren und Tiefgang ist, ist hiermit auf jeden Fall richtig bedient.


Vielen Dank an den Arctis-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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