Montag, 2. Juli 2018

„Urlaub würde ich gerne einmal in der Vergangenheit machen": Interview mit Lin Rina

Hallo ihr Lieben!
Heute feiern wir Premiere, denn was ihr hier lest, ist das allererste Autoreninterview auf diesem Blog! (Trommelwirbel und Konfetti)
Wie ihr vielleicht wisst, hätten ich und die zauberhafte Lin Rina (Autorin von „Vom Wind geküsst", „Animant Crumbs Staubchronik" u.m.) eigentlich ein Interview auf der Leipziger Buchmesse gehabt. Tatsächlich hatte ich dort die Möglichkeit, Lin kennenzulernen, aber aus dem Interview wurde leider wettertechnisch bedingt nichts. (Ihr erinnert euch womöglich an Schneesturm und lahmgelegten Zugverkehr?)
Jedenfalls haben wir beschlossen, uns davon nicht unterkriegen zu lassen und haben das Interview über WhatsApp nachgeholt!
Dabei durfte ich Lin nicht nur über ihren Autorenalltag und ihre Schreibroutine, sondern auch über ihre Bücher und ihre Buchcharaktere ausfragen und es sind ein paar wirklich interessante Antworten zutage gekommen (😉), die ich jetzt natürlich gerne mit euch teilen möchte.
Ich hoffe, ihr habt mindestens genauso viel Spaß beim Lesen wie ich beim Führen des Interviews hatte! Fangen wir an!

Ich mit Lin auf der LBM 2018



Ich habe gehört, du hast schon als Kind gerne Geschichten erzählt. Kannst du dich noch an diese Geschichten erinnern und wenn ja, worum ging es in deinen „Erstlingswerken"?
Oh. Da müsste ich wohl meine Mutter fragen, ob sie sich noch an die erste Geschichte erinnert.
Es war nicht die erste, aber in der zweiten Klasse habe ich mal eine illustrierte Geschichte über eine Prinzessin geschrieben, die einen Drachen entführte. Am Ende wurden sie Freunde.

Wie hast du reagiert, als du erfahren hast, dass dein erstes Buch in einem Verlag veröffentlicht wird?
Im ersten Moment hab ich es nicht geglaubt. Ich dachte, da will mir jemand einen Streich spielen. Und gleichzeitig hatte ich total das Adrenalin im Körper und Kribbeln im Bauch. Wie als wenn man sich verliebt.

Gibt es eines deiner Bücher, das dir ganz besonders am Herzen liegt?
Ich liebe alle meine Bücher auf ihre Weise. Jedoch stechen doch zwei heraus. Das Eine ist „Vom Wind geküsst", weil es das erste richtige Buch war, das ich je fertiggeschrieben habe. Das war eine ganz besondere Freundschaft, die ich mit den Charakteren hatte.
Und das andere ist „KHAOS", das als nächstes im Drachenmond Verlag erscheint.

Was macht für dich ein wirklich gutes Buch aus?
Ein gutes Buch. Puh. Das ist unterschiedlich. Ich mag Originalität. Wenn es anders ist, als alle Bücher zuvor. Und ich steh auf eine Mischung aus Spannung, leicht schräg und einem Hauch Romantik.

Wenn du mit einem deiner Charaktere - egal, aus welchem Buch - einen Tag verbringen könntest, wer würde das sein und warum?
Es wäre Daya, die Protagonistin aus „KHAOS". Sie ist unter schlimmen Umständen auf einem Gefängnisplaneten aufgewachsen und kennt zu Anfang nichts als Angst und Hoffnungslosigkeit. Ich würde sie erst mal lange knuddeln, ihr dann Pfannkuchen und heiße Schokolade machen und ihr sagen, dass es auch Gutes auf der Welt gibt und sie es verdient hat, zu leben. Sie hat's nämlich nötig.

Wie viel von deinen Charakteren steckt in dir selbst?
Ich glaube, es ist gar nicht möglich, nichts von sich in seine Figuren zu legen. Für mich zumindest nicht. Es ist immer nur ein kleiner Teil. Eine Geste, ein Charakterzug, ein paar Ansichten, Fehler und Stärken.
Cate aus „Vom Wind geküsst" hat meine Verträumtheit und die Schwäche, sich selbst gering zu schätzen.
Animant aus „Staubchronik" hat meinen Hang zum Essen, das Selbstbewusstsein, zu sein, wie man nun mal ist (allerdings ist mein Ordnungssinn wohl eher dem von Thomas Reed ähnlich ...) .
Daya aus „KHAOS" hat meinen inneren Ansporn, das Richtige zu tun. Allerdings ist sie viel herzensguter, als ich es je sein könnte.

Wie lange planst/ schreibst du an deinen Büchern und wie lange dauert es ungefähr von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript?
Ich schreibe etwa ein Buch im Jahr. Aber die Planung im Kopf geht meistens schon vieeel früher los. Manche Bücher entstehen im Affekt und ich brauche dann von der Idee bis zur ersten fertigen Version drei Monate. Und manche Ideen reifen über die Jahre hinweg und brauchen dann auch ihre Zeit, auf Papier zu kommen.
Die erste Idee von „Staubchronik" entstand zum Beispiel im Jahr 2003. Geschrieben habe ich es dann aber erst 2015/2016 und habe acht Monate gebraucht.

Hast du manchmal Schreibblockaden? Wenn ja, wie gehst du damit um?
Ja, hab ich. Was mir oft hilft, ist gute Schreibmusik und Inspirationspinnwände auf Pinterest.
Mir bewusst Zeiten zum Schreiben einzurichten, macht es auch leichter. Und wenn es echt gar nicht mehr geht, dann lasse ich das Buch entweder ruhen, oder es wird sich durchgebissen und um jeden kleinen Satz gekämpft. Denn auch nur ein Satz am Tag bringt mich voran und lässt mich nah beim Buch bleiben.

Du bist ja eine recht vielfältige Autorin: Du hast schon Bücher aus den Genres Fantasy und Historik veröffentlicht und bald erscheint mit „KHAOS" ein neuer Science-Fiction-Roman von dir. Gibt es ein Genre, das du unbedingt noch ausprobieren möchtest oder eins, von dem du eher Abstand hältst?
Ich springe gerne in dem Genre, das stimmt. Ich habe auch noch mehr geschrieben, was bisher nur in meiner Schublade liegt oder auf Wattpad zu lesen ist. Young Adult zum Beispiel, oder auch ein Abenteuer. Was ich unbedingt noch versuchen will, ist Crime. Leider fällt mir das nicht zu. Da müsste ich mich richtig reinhängen.
Wovon ich allerdings die Finger lasse, ist Horror oder Übernatürliches. Das ist gar nicht mein Ding. Davor hab ich selber viel zu viel Schiss, als dass ich sowas schreiben (oder lesen) könnte.


Die nächste Frage dürfte sicherlich viele Staubchronik-Fans interessieren: In welcher Epoche würdest du gerne leben?
Tja. Da muss ich die Staubchronik-Fans leider enttäuschen. Denn es wäre immer nur die Gegenwart, oder unter Umständen noch die Zukunft. In Büchern wird ja viel romantisiert und ich hab zu viel recherchiert, um da liebliche Vorstellungen zu haben. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bist du einfach so noch an blöden Dingen wie Cholera oder Lungenentzündung gestorben.
Aber Urlaub würde ich gerne einmal in der Vergangenheit machen. Auf begrenzte Zeit würde ich unglaublich gerne das viktorianische Zeitalter (1850 - 1900 n.Chr.), das Rokoko (1720 - 1780 n.Chr.) oder die ägyptische Antike (um 2500 v.Chr.) besuchen.


Könntest du dir vorstellen, dass eines deiner Bücher verfilmt wird? Wenn ja, welches würdest du am liebsten au der großen Leinwand sehen und was müsste bei der Verfilmung auf jeden Fall beachtet werden?
Staubchronik kann ich mir am besten vorstellen. Allerdings würde ich da die Filmrechte nur an BBC übergeben. Und dann am besten kein Kinofilm, sondern eine Kurzserie. Das wäre richtig episch.
Bei „Vom Wind geküsst" hätte ich Angst, dass es sich nicht gut umsetzen lässt, da wir eine Hauptfigur haben, die viel denkt, aber wenig spricht.
(Kurze Anmerkung am Rande von mir: Wäre eine BBC-Serie zu „Staubchronik" nicht der Hammer?! Also ich würde das auf jeden Fall schauen!)


Kommen wir auch schon zur letzten Frage: Hast du ein großes (Autoren-) Ziel für die Zukunft?
Das ist eine schwierige Frage, über die ich schon die ganze Zeit nachdenke. Mein großes Lebensziel war es immer, mein eigenes Buch im Buchladen zu kaufen. Das habe ich mir bereits erfüllt.
Ich spüre zur Zeit auch den Druck von außen, weil andere hohe Erwartungen an mich haben, die ich so gar nicht für mich annehmen möchte. Auch Autorenkollegen, die selber hohe Ziele haben, nehmen an, dass ich die auch haben müsste.
Mein größtes Ziel ist es, mit meinen Geschichten zufrieden zu sein, mitbestimmen zu können, wie sie erscheinen und vor allem wie sie aussehen werden. Aber vor allem, dass sie Herzen erreichen, selbst wenn es nur wenige sein sollten.

Vielen Dank, liebe Lin, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen so ausführlich zu beantworten! Das ist wirklich nicht selbstverständlich und ich habe mich sehr darüber gefreut!

Mit einem Klick in die fabelhafte Bücherwelt von Lin Rina:



Kommentare:

  1. Sollte BBC keine Staubchronik-Serie produzieren werde ich eigens Film studieren, um dem Buch eine würdige Verfilmung zu geben!

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    1. Genau! Und dafür machst du dann auch die Kostüme!
      Alles klar, dann hätten wir das auch geklärt.

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