Freitag, 23. Februar 2018

[Rezension] Nichts ist okay!

Autoren: Jason Reynolds und Brendan Kiely (aus dem Englischen von Klaus Fritz und Anja Hansen-Schmidt)
Verlag: dtv, Reihe Hanser
Seiten: 320
ISBN 978-3-423-65024-3
Preis: 14,95€ (Klappbroschur)


Inhalt:
Eigentlich wollte Rashad nur eine Tüte Chips kaufen, doch kaum hat er den Laden betreten, wird er von einem Polizisten brutal niedergeschlagen. Beobachtet hat den Vorfall ein anderer Junge: Quinn, der ausgerechnet mit der Familie des Angreifers befreundet ist. Rashad ist schwarz, der Polizist weiß. Ein weiterer rassistischer Übergriff? Wie so viele? Rashad landet im Krankenhaus, und Quinn steht zwischen den Fronten. Er muss sich entscheiden: Tritt er als Zeuge auf und wird zum Verräter?
 Oder hält er den Mund und schweigt zu Diskriminierung und Gewalt. Derweil organisieren Rashads Freunde eine Demonstration gegen Rassismus und Polizeiwillkür. Eine Stadt gerät in Ausnahmezustand. Und zwei Jugendliche mittendrin.


Meine Meinung:
Über die ernste Thematik, von der das Buch handelt, liest man gerade heutzutage immer wieder. Ich war ziemlich gespannt auf die Umsetzung - und war gerade zu Anfang eher enttäuscht.
Die Sprache ist sehr jugendlich, was sicherlich zum Alter der Protagonisten passt, aber dann doch etwas zu extrem für meinen Geschmack. Teilweise war ich sogar richtig genervt vom Schreibstil, weil es mir einfach schwerfiel, mich so richtig in die Geschichte hereinzudenken.


Im Fokus des Geschehens stehen die beiden Jungen Rashad und Quinn.
Rashad ist ein dunkelhäutiger Junge, der scheinbar ohne jeglichen Grund von einem weißen Polizisten brutal niedergeschlagen und verprügelt wird. Es war zwar schockierend für mich, das Ganze aus seiner Sicht zu lesen, allerdings konnte ich mich nicht besonders gut mit ihm identifizieren - das, was mit ihm geschieht, hat mich irgendwie mehr getroffen als er als Person selbst, versteht ihr, was ich meine?
Quinn, ein guter Freund der Familie des Polizisten, beobachtet das Geschehen und muss sich nun entscheiden: Soll er als Zeuge aussagen und sich damit auf die Seite von Rashad stellen, was bedeuten würde, dass er seinen besten Freund und dessen Familie verraten würde? Oder soll er Paul, den Polizisten, der schon immer so etwas wie ein großer Bruder für ihn war, unterstützen? Natürlich ist das eine extrem schwierige Entscheidung und diese Dilemmasituation verlangt Quinn so einiges ab. Langsam, aber sicher entfernt er sich von seinen Freunden und gerät unbeabsichtigt in Konflikte ... Was mich persönlich aber gestört hat, ist, dass er ganz lange gar nicht den Eindruck erweckt, als würde er versuchen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Obwohl er eine zentrale Rolle in dem stattfindenden Konflikt spielen könnte, verhält er sich eher passiv. Ich hätte mir viel mehr gewünscht, dass er sich mit dem Thema auseinandersetzt, anstatt vor den Problemen davonzulaufen, um einen für sich selbst geeigneten Standpunkt zu finden. Der innere Konflikt hätte meiner Meinung nach deutlich ausgeschmückt werden können, das hätte seinen Charakter lebendiger und vor allem auch authentischer erscheinen lassen.
Außerdem bin ich der Meinung, dass die Charaktergestaltung insgesamt zu viele Klischees vom „typischen" Amerika enthält. Allerdings entwickeln sich sowohl Rashad als auch Quinn im Laufe der Geschichte weiter, was ich nicht nur für sehr schön und begrüßenswert, sondern bei der Thematik auch für absolut notwendig halte.


Der Konflikt, den das Buch behandelt, ist nach langer Zeit noch immer brandaktuell. Im Zentrum dieses ganz speziellen Falls von Polizeigewalt gegenüber einem unbewaffneten, schwarzen Jugendlichen steht der Slogan „Rashad fehlt heute wieder!", der erst in der Schule, dann in der gesamten Stadt und schließlich auch in den landesweiten Medien für Aufruhr sorgt.
Auch als Leser bekommt man deutlich zu spüren, wie lebendig Rassismus auch heutzutage noch ist.


Vom Ende war ich wirklich positiv überrascht, besonders, da der Anfang ja eher schwach war. Die letzten Seiten jedoch machen das fast wieder wett - ich hatte tatsächlich eine Gänsehaut und war ziemlich beeindruckt. Außerdem wurde das Ende überraschend gut mit dem Anfang verknüpft, sodass letztendlich ein rundes Ganzes entsteht.



Fazit:
Der Jugendroman „Nichts ist okay!" zeigt bedauernswerterweise erst gegen Ende hin seine Stärken. Zunächst einmal fällt das Buch jedoch durch einen sehr jugendlichen Schreibstil auf, was sicherlich zum Alter der Protagonisten passt und überdies Geschmackssache ist, der mir persönlich aber einfach nicht zugesagt hat. Den Charakteren fehlt es meiner Meinung nach an Identifikationspotenzial, vor allem bei Quinn hätte ich mir gewünscht, dass er sich nicht so lange Zeit so passiv verhält, anstatt sich eine eigene Meinung zu bilden. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Titel zwar eine Menge Potenzial besitzt, dieses jedoch nicht komplett ausgeschöpft wurde. Deshalb kann ich ihn leider auch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen.
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!
(Die kostenlose Bereitstellung des Titels hat meine Meinung in keinster Weise verändert.)

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