Dienstag, 16. Januar 2018

Gleiche Bewertung und doch nicht zu vergleichen?! - Warum ich das Sternesystem für problematisch halte

Hallo ihr Lieben!
Heute gibt es mal einen Beitrag der etwas anderen Art. Es geht, wie nur unschwer am Titel zu erkennen, um das Bewertungssystem mit Sternen (Blümchen, Katzen, Lesebrillen, Schmetterlingen etc.). Auf vielen Verlagsseiten und Rezensionsplattformen - ich könnte gar sagen, auf eigentlich allen - ist es gar nicht möglich, seine Leserstimme abzugeben, ohne das Buch auch auf einer Sterneskala von 1 bis 5 zu bewerten. Auch viele Blogger verwenden diese Art der Bewertung, um kurz und knapp zusammenzufassen, wie ihnen das Buch gefallen hat.
Ich will auch gar nicht bestreiten, dass dieses System wirklich extrem hilfreich sein kann. Auf einen Blick kann der potentielle Leser erkennen, wie das Buch anderen Lesern gefallen hat. Man kann sich ohne große Anstrengungen direkt ein Bild von dem Titel machen.

So praktisch dieses Bewertungsschema aber auch ist, ich persönlich habe, um ehrlich zu sein, meine Probleme damit. Ihr habt vielleicht schon gemerkt, dass ich auf meinem Blog keine Sterne, Blümchen oder sonstiges vergebe. Meine Rezensionen bestehen ausschließlich aus Texten.
Warum? Weil ich es teils schwierig, teils sogar unmöglich finde, ein Buch auf eine Zahl zu beschränken. Weil nämlich viel, viel mehr dahintersteckt als eine simple Nummer.
Kann ein Buch, an dem ich eigentlich nichts zu kritisieren habe, wirklich fünf Sterne verdienen, wenn es dennoch so viele gibt, die mich mehr berühren, begeistern oder schockieren konnten?
Kann ich komplett verschiedene Geschichten, die wirklich überhaupt nicht miteinander zu vergleichen sind, auf eine Stufe stellen und sie als „gleich gut" bewerten?
Soll ich einem guten, unterhaltsamen Buch wirklich  „nur" drei Sterne geben anstatt vier, weil mir die Titel, die ich mit vier Sternen bewertet habe, besser gefallen haben?

Für mich ist ein Buch - egal, wie es mir gefallen hat - mehr als eine Zahl. Es gibt Geschichten, die sind so vielschichtig, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann. Es gibt Geschichten, die mich zum Nachdenken anregen, mich aufwühlen, berühren, zum Weinen bringen, mich in schallendes Gelächter ausbrechen lassen, mir ein Grinsen aufs Gesicht zaubern oder schlichtweg unterhalten. Dabei muss nicht unbedingt eine mehr wert sein als die andere.
Es gibt eine unglaublich große Zahl an verschiedenen Geschichten, jede von ihnen einzigartig und besonders. Ein als zeitlos betitelter Klassiker muss nicht unbedingt besser sein als ein unterhaltsamer Roman. Auch in einem Fantasybuch lässt sich oft mehr von der realen Welt finden, als man glauben mag. So oder so, jedes Buch hat seine ganz eigenen Eigenarten.

Klar kann ich sagen, ob mir ein Buch gefallen hat oder nicht und ob ich es weiterempfehlen würde - ganz aus dem Bauch heraus. Aber es systematisch einzugliedern fällt mir schwer, da ich das fast immer gleichzeitig als Einschränkung empfinde. Manchmal würde ich einem Buch auch gerne tausend Sterne geben . . . und die Zahl 5 beschreibt dann nicht einmal ansatzweise, was ich bei der Lektüre empfunden habe. Und dann zerbreche ich mir wieder den Kopf, ob es vier oder fünf, drei oder vier, zwei oder doch drei Sterne sein sollen, weil ich den Titel immer mit anderen Büchern vergleichen muss. Und das wiederum, finde ich, muss nicht sein.
Wenn ich meine Rezension auf einer Verlagswebseite oder auf Lovelybooks veröffentlichen möchte und dazu aufgefordert werde, dem Buch eine bestimmte Anzahl von Sternen zu geben, dann versuche ich in der Regel, meine Bewertung wie einen ungefähren Richtwert abzugeben. Und genau so, finde ich, sollten sie dann auch gesehen werden. Ich kann ein Buch für lesenswert halten, auch wenn ich ihm nur drei Sterne gegeben habe.
Was für mich mehr zählt, ist das eigentliche Herzstück einer jeden Bewertung: Die Rezension. Ich habe das Gefühl, einem Buch viel mehr gerecht werden zu können, wenn ich meine Meinung dazu in einem Text verfasse. So wird viel besser deutlich, was mir gut gefallen hat, was mir nicht so gut gefallen hat und wie das abschließende Fazit zustande kommt.

Was meint ihr zu dem Thema? Seht ihr darin eher die Vor- oder die Nachteile? Könnt ihr meine Ansichten nachvollziehen oder nutzt ihr das Sternesystem selber gerne? (Was ich, genau genommen, selbst ja auch tue, solange ich es selber nicht verwenden muss . . .) Hinterlasst mir gerne einen Kommentar oder schreibt mir eine Mail!
Man liest sich!
Isabell


Kommentare:

  1. Hallo liebe Isabell!
    Ich kann dir nur zustimmen. Auch ich bewerte Bücher in meinen Rezensionen nicht mehr, aus dem einfachen Grund, dass dies mich schon beim Lesen unter Druck setzt. Dann denke ich schon während der Geschichte darüber nach, dass ich dem Buch ja nicht die volle Anzahl geben kann, da ich ja einige Kritikpunkte habe; aber gleichzeitig fesselt mich das Buch so sehr und ich bin so begeistert, dass ich ihm am liebsten tausende Sterne geben möchte. Und diese Gedanken lassen mich das Buch nicht mehr wirklich genießen. Mir hat es unglaublich gut getan, diese Bewertung abzuschaffen. Denn, wie du so schön gesagt hast: Ein Buch ist mehr als nur eine Zahl <3
    Liebste Grüße
    Neetje
    P.S.: Ich habe das Gefühl, dass wenn eine Rezension keine Bewertung beinhaltet, man eher dazu "gezwungen" ist, den ganzen Beitrag zu lesen. Die eigentliche Rezension wird so viel mehr geschätzt!

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    1. Hallo Neetje,
      da bin ich ja beruhigt, dass es nicht nur mir so geht!:) Es ist echt schade, sich schon beim Lesen unter Druck zu setzen zu müssen, weil man überlegt, wie viele Sterne man dem Buch jetzt geben möchte, da hast du recht.
      Alles Liebe,
      Isabell

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  2. Hey Isabell,
    Ich habe auch schon mal darüber nachgedacht, ob ich das Punktesystem aufhören soll zu benutzen, einfach aus deinen oben genannten Punkten. Doch ich finde es auch irgendwie praktisch, und da ich vorallem zu Rezensionsexemplaren Rezensionen schreibe und bei den restlichen meine Meinung im Lesemonat sage, musss ich die Bücher sowieso mit Sternen bewerten, da es ja auf den Websites angefordert wird. Aber trotzdem bin ich immernoch am überlegen, auch nicht mehr danach zu bewerten.

    Lg Cosi

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