Mittwoch, 15. November 2017

[Rezension] Jessicas Geist

Autor: Andrew Norris (aus dem Englischen von Christiane Steen)
Verlag: Rowohlt Rotfuchs
Seiten: 224
ISBN  978-3-499-21744-9
Preis: 14,99€ (Taschenbuch)


Inhalt:
Francis führt in der Schule ein einsames, unglückliches Leben, denn er ist der einzige Junge, der sich für Mode interessiert und selbst Kleidung näht. Das perfekte Opfer. In Jessica findet er zum ersten Mal eine Freundin. Doch Jessica ist ein Geist, der seit über einem Jahr in der Stadt herumschwebt – bisher allerdings vollkommen unsichtbar. Wieso nicht für Francis? Auch die kleinwüchsige,
unmädchenhafte" Andi und der übergewichtige Roland können Jessica sehen und hören. Bald schon verbindet die vier Außenseiter eine Freundschaft, die keiner von ihnen zuvor gekannt hat. Die Frage ist: Was haben sie alle gemeinsam? Und warum ist Jessica überhaupt als Geist unterwegs?


Meine Meinung:
Von diesem Titel habe ich bereits eine Menge positive Dinge gehört - umso mehr habe ich mich dann natürlich über den Erhalt des Leseexemplars gefreut. Meine Erwartungen an das Buch waren sehr hoch und ich war gespannt, was mich erwarten würde.
Der Leser wird, wenn er dieses Buch aufschlägt, förmlich in das Geschehen hineingeworfen. Es geht eigentlich gleich sofort zur Sache, weil Francis, eine der Hauptfiguren in dieser Geschichte, Jessica beziehungsweise ihrem Geist schon auf den ersten Seiten begegnet. Ich war etwas irritiert, dass Francis die Tatsache von Jessicas Existenz sofort hinnimmt und sich kaum oder eigentlich fast gar nicht darüber wundert, dass sie behauptet, ein Geist zu sein. Ich persönlich wäre jedenfalls um einiges kritischer an die Sache herangegangen. Später jedoch wird Francis' Reaktion auf Jessicas Auftreten erklärt und ist eindeutig besser nachvollziehbar.


Am wohl positivsten aufgefallen sind mir bei diesem Titel die außergewöhnlichen Charaktere. Francis und Jessica und später auch Andi und Roland sind mir durch ihre Andersartigkeit sofort ans Herz gewachsen und die Figuren bieten eine Menge Identifikationspotenzial. Der Autor hat es geschafft, diese Kinder einerseits völlig normal, aber andererseits auch  besonders wirken zu lassen.
Francis hat mit seiner Liebe zur Mode schon eine Menge Spott über sich ergehen lassen müssen, Andi punktet bei ihren Mitschülern auch nicht gerade durch ihr aggressives, unmädchenhaftes Verhalten und Aussehen und der übergewichtige, aber herzensgute Roland hat es aufgrund seines Gewichts ebenfalls schwer.


Warum, fragte sich Francis, war das Anderssein eigentlich so schmerzhaft? Warum machte es einem so viel aus, wenn doch sowieso jeder Mensch anders war als der andere?
 - Seite 210


Das Buch strahlt insgesamt eine sehr positive Stimmung aus und ist sozusagen eine Hommage an das Anderssein. Mir hat sehr gut gefallen, wie locker der Autor mit der eigentlich ernsten Grundthematik umgegangen ist - das ermöglicht dem Leser, Themen wie Mobbing und Depressionen von einer ganz anderen Seite aus zu betrachten. Freundschaft und Zusammenhalt werden in diesem Buch großgeschrieben.
Eine große Unterstützung für die Protagonisten kommt natürlich von Jessica beziehungsweise ihrem Geist. Sie hilft Francis und seinen Freunden in den verschiedensten Alltagssituationen, was in mir die Befürchtung geweckt hat, dass eine Abhängigkeit entstehen könnte. Nach und nach entwickeln die Kinder jedoch immer mehr Selbstbewusstsein und lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, was mich sehr gefreut hat.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen jedoch nicht nur die einzelnen Figuren, sondern auch die Fragen, warum ausgerechnet Francis, Andi und Roland Jessica sehen können und unter welchen Umständen das Mädchen zu Tode gekommen ist.
Leider muss ich ganz ehrlich sagen, dass mir dies schon nach kurzer Zeit ziemlich offensichtlich erschien. Dadurch, dass auch einige andere Wendungen sehr vorhersehbar waren, war die Spannung auch nicht ganz so groß, wie ich es mir erhofft habe. Außerdem hätte ich mir ein etwas dramatischeres Ende gewünscht, denn das Buch hätte auf jeden Fall eine Menge Potenzial gehabt, noch etwas mehr Zwiespalt im Leser zu wecken.
Dennoch habe ich die Geschichte rund um Jessica, Francis und die anderen sehr gerne gelesen und empfinde sie auch als angemessen für jüngere Altersgruppen. Durch den recht lockeren, humorvollen Schreibstil kann man schnell in die Handlung eintauchen und sich mitreißen lassen und obwohl mich der Titel nicht zu hundert Prozent überzeugen konnte, so hat er doch bleibenden Eindruck hinterlassen.


Fazit:
„Jessicas Geist" hat mir besonders aufgrund der Außergewöhnlichkeit der Geschichte und den unkonventionellen Charakteren, zu denen ich von Anfang an eine tiefe Zuneigung empfunden habe, eine Menge Lesevergnügen bereitet. Obwohl mir vieles sehr vorhersehbar erschien, habe ich die Lektüre sehr genossen, insbesondere wegen des unterhaltsamen Schreibstils und der besonderen Art der Vermittlung wichtiger Botschaften. Anderssein wird in diesem Buch mit Besonderssein gleichgesetzt, was sicherlich nicht nur die Charaktere, sondern auch den einen oder anderen Leser gestärkt aus der Geschichte hervorgehen lässt.







Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Leseexemplar!
(Die kostenlose Bereitstellung des Titels hat meine Meinung in keinster Weise verändert.)

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