Sonntag, 17. September 2017

[Rezension] Die Kinder



Autor: Wulf Dorn
Verlag: Heyne
Seiten: 320
ISBN  978-3-453-27094-7
Preis: 16,99€ (Klappenbroschur)


Inhalt:
Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.


Meine Meinung:
Auf diesen Titel aufmerksam geworden bin ich durch eine gute Freundin, die mir die Bücher von Wulf Dorn regelmäßig ans Herz gelegt hat. Als ich sah, dass bald ein neues Buch von dem Autor erscheinen würde, habe ich die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt und das Buch beim Verlag angefragt. Wenig später hat der Postbote ein Buchpaket vorbeigebracht und ahnungslos, wie ich war, habe ich auch gleich mit dem Lesen angefangen . . .
Vorab gesagt, ich hatte extrem hohe Erwartungen an das Buch. Das erste Kapitel hat mich daher leider etwas enttäuscht. Die ersten Seiten waren an einigen Stellen sehr verwirrend und wirkten ein wenig zäh. Das weckte in mir die Befürchtung, ich hätte nun über eine 320 Seiten fade Erzählung vor mir und nahm mir zunächst die Lust, weiterzulesen. (Rückblickend gesehen zeugt das Kapitel aber durchaus von Relevanz für den Verlauf der Geschichte.)
Schon bald war es jedoch, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Ich habe mich dann doch relativ schnell mit dem Schreibstil anfreunden können und ab da gab es kein Zurück mehr.


,,Es ist die Welt, vor der Sie sich fürchten sollten. Diese verrückte Welt." - Seite 69


Im Klappentext heißt es, Psychologe Robert Winter arbeitet an dem Fall der scheinbar verrückt gewordenen Laura Schrader. Eigentlich jedoch besteht das Buch zu einem großen Teil aus Rückblenden und Erzählungen von Laura. Und die haben es wirklich in sich.
Immer wieder geschehen scheinbar mysteriöse und unerklärbare Dinge - und immer sind Kinder involviert, die sich irgendwie anders verhalten. Zudem sind alle Bewohner eines Dorfes scheinbar spurlos verschwunden. Und dabei hat Laura gerade genug eigene Probleme - sie ist schwanger und der Vater, ein Karrieremann, weigert sich, das Kind zu akzeptieren. Laura jedoch will es behalten - und das, obwohl mit dem ungeborenen Baby eindeutig etwas nicht stimmt. Es scheint mit seiner Mutter kommunizieren und sie sogar kontrollieren  zu können und ,,zeigt" ihr außerdem immer wieder erschreckende Szenerien aus aller Welt. Diese Ereignisse, die sie bis in ihre Träume heimsuchen, handeln allesamt davon, wie sehr Kinder auch heutzutage immer noch missbraucht und ausgenutzt werden. Diese kleinen Zwischensequenzen sind vor allem eines: erschreckend realistisch. Die Tatsache, dass genau solche Dinge auch in Wirklichkeit geschehen, ging mir sehr nah. Auf der anderen Seite hat es bei mir großen Eindruck hinterlassen, wie schonungslos gesellschaftskritisch dieses Buch ist.


Kommen wir zurück zu Laura Schrader: Nachdem ihre Nichte Mia sich immer seltsamer verhält und kaum noch auf ihre Mitmenschen reagiert, beschließen sie und ihre Schwester Su, ein wenig Zeit im Ferienhaus der Familie zu verbringen. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, Mia, obwohl nur acht Jahre alt, wirkt durch ihre seltsame Apathie immer furchteinflößender - und dann verschwindet sie plötzlich.
Ab da wusste ich, dass ich es nicht mit einem wirklich guten, sondern mit einem absolut genialen Psychothriller zu tun hatte. Denn das Dorf, in dem das Ferienhaus liegt, ist jenes, dessen Einwohner alle spurlos verschwunden zu sein scheinen. Und was Laura Robert Winter erzählt, ist in der Tat unglaublich. Innerhalb von wenigen Seiten wird der Leser immer wieder an die Grenzen der Vorstellungskraft gestoßen - was geschieht, ist so schockierend, dass man förmlich hofft, dass Laura tatsächlich den Verstand verloren hat.
Was mich persönlich wirklich beeindruckt hat, ist, dass der Autor es geschafft hat, Mystery-Aspekte in die Handlung einzubauen, ohne, dass es unrealistisch wirkt. Denn einige Dinge in diesem Buch lassen sich einfach nicht logisch erklären und dennoch erschienen sie mir weit entfernt vom Fantasy-Genre - etwas, das mir sehr zu denken gegeben hat. Besonders die letzten Seiten sind so dicht an Handlung und Atmosphäre, dass die Redewendung nicht mehr aus der Hand zu legen eine völlig neue Bedeutung für mich bekommen hat. Das Ende, in dem Rückblenden und Gegenwart endlich zusammenfließen, hat mich sprachlos sowie extrem geschockt zurückgelassen.
Dieser Titel ist auf jeden Fall nicht für schwache Nerven geeignet. Wulf Dorn spielt in ,,Die Kinder" meisterhaft mit der menschlichen Psychologie und geht dabei schonungslos, direkt und brutal vor. Das Buch ist auf jeden Fall beängstigend und vor allem eines: beängstigend gut. Mit Abstand der beste Psychothriller, den ich je gelesen habe!


Fazit:
,,Die Kinder" hat mich auch lange nach der letzten Seite nicht mehr losgelassen. Selten, nein, noch nie habe ich eine so gekonnte Mischung aus fesselnder Handlung, schockierenden Wendungen und ungebremster Gesellschaftskritik gelesen. Das Buch ist nicht nur extrem angsteinflößend, sondern regt auch zwangsläufig zum Nachdenken an und sorgt garantiert für schlaflose Nächte. Allerdings muss man als Leser auch eine Menge verkraften können. Dennoch bin ich schwer begeistert und werde immer mit einem Rest Gänsehaut an die Lektüre zurückdenken. Wer Sebastian Fitzek mag, wird Wulf Dorn lieben, das verspreche ich!








Vielen Dank an den Heyne-Verlag und die Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Mehr Infos zum Buch? Klick hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen