Mittwoch, 6. September 2017

[Rezension] Caraval

Autorin: Stepanie Garber (aus dem Amerikanischen von Diana Bürgel)
Verlag: ivi
Teil einer Reihe: Eine Fortsetzung ist in Planung, genauere Infos gibt es aber noch nicht.
Seiten: 400
ISBN 978-3-492-70416-8
Preis: 14,99€ (Klappenbroschur)


Inhalt:
Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ...


Meine Meinung:
Wer in der Bookstagram-Community aktiv ist oder sich mit (englischen) Buchblogs beschäftigt, kommt sicher nicht umher, auf dieses Buch aufmerksam zu werden. „Caraval“ wird von Fans aus aller Welt in den höchsten Tönen gelobt und schaffte es unter anderem auf die NYT-Bestsellerlisten. Ich war natürlich sehr gespannt, was sich dahinter verbirgt und habe deshalb direkt zugegriffen, als ich das Buch in der Bibliothek entdeckt habe.
Zu Beginn der Geschichte findet man eine Sammlung von Briefen vor, die die Protagonistin Scarlett allesamt über die Jahre hinweg an den Master des mysteriösen Spiels Caraval geschrieben hat. In diesen Briefen bittet sie immer wieder darum, Zugang zu dem Spiel zu erhalten. Sieben Jahre lang erhält sie nie eine Antwort - erst, als sie mit einem fremden Grafen verlobt werden soll, erhält sie eine Einladung als Master Legends Ehrengast. Scarlett wäre vermutlich außer sich vor Freude gewesen, wäre da nicht ein Problem: ihr Vater. Governor Dragna war mir von Anfang an in jeglicher Hinsicht unsympathisch. Er terrorisiert nicht nur seine Töchter und Untergebenen, sondern ist auch in eine Menge perverse Machtspielchen verwickelt. Zum Beispiel hat er Scarlett mit einem fremden Mann verlobt, ohne, dass sie ihn jemals kennengelernt hat, in der Hoffnung, seine Tochter kontrollieren und ein gutes Geschäft machen zu können.
Scarlett selbst erschien mir zunächst wie ein sehr bodenständiger und realistischer Mensch. Sie tut alles dafür, um ihre Schwester Donatella zu beschützen, denn um seine Töchter zu bestrafen, ist der Governor oft gewalttätig gegenüber der jeweils anderen Schwester. Dabei merkt man sofort, wie nahe Scarlett und Donatella sich stehen. Ihre Beziehung spielt das ganze Buch über eine relevante Rolle und ist der Antrieb der Geschichte, obwohl die beiden auf den ersten Blick eher verschieden erscheinen. Donatella ist ein Freigeist und geht gerne Risiken ein, während Scarlett sehr vernünftig wirkt und sich, so scheint, widerstandslos dem Willen ihres Vaters unterwirft - auch wenn sich das später drastisch ändert.


Das Ganze spielt in einer Fantasywelt, die allerdings nicht näher erläutert wird. Natürlich liegt der Schwerpunkt hier ganz klar bei Caraval und eher wenige auf der Welt draußen, aber Begriffe wie die Insel Trisda und Elantinische Dynastie machten dadurch einen befremdlichen Eindruck auf mich. Ich hätte gerne mehr darüber gewusst, wie ich das alles einzuschätzen habe und wie diese fiktive Welt aufgebaut ist, zumal es eben eindeutig nicht um die Welt geht, wie wir sie kennen.


Kommen wir endlich zu Caraval selbst: Ich muss ja zugeben, die Idee hat mich von Anfang an fasziniert. Aber die Umsetzung - die ist absolut grandios und hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen! Ich bin wirklich mehr als begeistert, wie toll die Atmosphäre von diesem geheimnisvollen Ort beschrieben wird. Bei Caraval handelt es sich um eine Art Mischung aus einem Zirkus, einem interaktiven Theaterstück und einer Schatzsuche. Dafür wurde eigens eine kleine Stadt auf einer Insel errichtet, und obwohl dort so einiges einen furchteinflößenden Eindruck macht, hatte ich beim Lesen das dringende Bedürfnis, ebenfalls Teil dieses Spiels zu sein. Die Farben, Gerüche und die Umgebung wurden so detailverliebt beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, mittendrin zu sein.
Besonders spannend und außergewöhnlich finde ich die Tatsache, dass in Caraval wirklich alles anders zu laufen scheint. Es mag vielleicht verrückt wirken, dass dort nicht mit Geld, sondern zum Beispiel mit Geheimnissen, Ängsten und sogar Lebenszeit bezahlt wird, aber ich liebe die Idee und dass alles so herrlich abstrus ist! Teilweise hatte ich das Gefühl, Caraval wäre eine Art modernes Wunderland und ich wäre schrecklich gerne als Alice darin herumspaziert!
Und dann wäre da natürlich noch Legend, der sagenumwobene Master von Caraval. Das Mysterium Legend ist eigentlich die gesamte Geschichte über aktuell und immer wieder habe ich mich gefragt, wer oder was dahintersteckt. Ich habe während des Lesens so einige Vermutungen über ihn aufgestellt, dennoch wurde ich immer wieder in die Irre geführt. Womit wir auch gleich beim nächsten Punkt wären: Dass die Autorin den Leser immer und immer wieder in die Irre führt. Teilweise war ich tatsächlich so überrascht und geschockt, dass ich mit offenem Mund vor dem Buch saß und nichts anderes denken konnte als Oh. Mein. Gott. Das ist jetzt gerade nicht wirklich passiert, oder?


Was mir ebenfalls positiv im Gedächtnis geblieben ist, ist die Tatsache, dass es zwar eine Liebesgeschichte gibt, die aber eher im Hintergrund abläuft. Das ist für mich insofern positiv, als dass die eigentliche Handlung und die Beziehung von Scarlett zu ihrer Schwester hier eindeutig wichtiger erscheinen. Alles andere hätte vermutlich den Reiz des Buches - das Abtauchen in die fremde, verrückte, traumhafte und auch beunruhigende Welt von Caraval - deutlich abgemindert. Generell hat mir die Art, wie die Charaktere miteinander interagieren, sehr zugesagt.


Der Showdown hat mich, das muss ich ehrlich zugeben, etwas verwirrt. Nicht, dass er nicht absolut fesselnd war, aber da an dieser Stelle Realität und Fantasie beziehungsweise Magie in direkter Konfrontation aufeinandertreffen, war es für mich zunächst ein wenig schwierig, den Überblick darüber zu behalten, was jetzt tatsächlich geschehen ist und warum.
Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass ich es sehr genossen habe, dieses Buch zu lesen, einfach, weil es mehr oder weniger von allem, was ich bisher gelesen habe, auf eine einzigartige Weise unterscheidet. Abgerundet wird das Ganze dann auch noch von einem wunderschönen Cover, das das Buch auch im Regal zu einem echten Hingucker macht!


Fazit:

„Caraval“ wird mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Besonders überzeugen konnte mich der außergewöhnliche Schauplatz, an dem eine einzigartige Stimmung herrscht. Die verschwimmenden Grenzen zwischen dem, was real ist und was nicht, haben vielleicht an der einen oder anderen Stelle den Lesefluss stocken lassen, aber dennoch hat es mir wirklich großen Spaß gemacht, in die Welt einzutauchen. Seitdem ich das Buch beendet habe, warte ich überdies sehnsüchtig auf meine Einladung nach Caraval und ich kann euch versichern, ihr werdet es auch tun!

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