Samstag, 19. August 2017

[Rezension] Milchmädchen

Autorin: G.R. Gemin (aus dem Englischen von Gabriele Haefs)
Verlag: Königskinder
Seiten: 272
ISBN: 978-3-551-56026-1
Preis: 16,99€ (Hardcover mit Schutzumschlag)
       
Inhalt:
Zwölf Kühe mitten in einem schäbigen walisischen Wohngebiet verstecken? Das bleibt doch niemals unbemerkt! Aber Gemmas Leben ist sowieso total durcheinander – ihr Vater ist im Knast, die Mutter abgekämpft und der kleine Bruder nervt einfach nur. Und wie sie sich mit der komischen, starken Außenseiterin Kate angefreundet hat, weiß sie eigentlich selbst nicht. Aber Kate braucht Gemmas Hilfe, damit ihre Kühe nicht verkauft werden müssen.
Gemmas Nachbarn kümmern sich normalerweise nicht so um andere Leute – geschweige denn um Tiere. Doch nun stehen dicke, muhende, Gras fressende Kühe in ihren Gärten. Und setzen einiges in Bewegung!


Meine Meinung:
Schon der erste Blick auf das Cover hat mich neugierig auf diesen Titel gemacht. Das lächelnde Mädchen mit den Sommersprossen machte einen so sympathischen Eindruck auf mich, dass ich das Buch einfach sofort zur Hand nehmen musste.
Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, sodass sich die Geschichte insgesamt sehr flüssig lesen ließ. Die Kapitel sind relativ kurz, sodass man gut mal eines zwischendurch lesen kann.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich mit der Protagonistin Gemma teilweise nicht ganz warmwerden konnte. Obwohl ausschließlich aus ihrer Sicht erzählt wird, hatte ich manchmal das Gefühl, sie nicht so ganz nachvollziehen zu können und an einigen Stellen zu Anfang war sie schlichtweg fies, weswegen es gleich von vorneherein Charaktere gab, die ich eindeutig lieber mochte. Gemmas Großmutter Lilly zum Beispiel habe ich gleich ins Herz geschlossen. Sie wirkte auf mich wie eine unheimlich liebe Person und besonders ihre Begeisterung für Kühe machte einen unglaublich charmanten Eindruck. Mir gefiel es auch sehr, wie sie mit Kate interagiert hat.
Kate lebt auf einem Bauernhof und liebt ganz besonders ihre Kühe über alles. Als sie erfährt, dass diese verkauft werden sollen, schmiedet sie deswegen auch kurzerhand einen Plan, diese vor dem Schlachthof zu bewahren. Es war sehr schön zu sehen, wie sehr sich Kate für ihre Tiere einsetzt. Obwohl sie noch so jung ist, hat sie einen eisernen Willen, ist unglaublich selbstbewusst und sowohl geistig als auch körperlich stark - das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes! Besonders an den Stellen, an denen sie zwei gemeine Kinder über ihre Schultern wirft und mit ihnen einfach durch die Gegend spaziert, hat sie mich sehr an eine Art moderne Pippi Langstrumpf erinnert. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich Pippi Langstrumpf als Kind heiß und innig geliebt habe - und es heute heimlich immer noch tue! Ich glaube, das Buch hätte mir fast besser gefallen, wenn es zumindest zum Teil aus Kates Sicht erzählt worden wäre. Zum einen, weil das noch ein bisschen Abwechslung in die Geschichte gebracht hätte, zum anderen, weil ich sie einfach deutlich lieber mochte als die eigentliche Protagonistin.

Gemma hat es in ihrer Familie eindeutig nicht leicht. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, ihr Bruder ist ein Schleimer (auch wenn er sich im Laufe der Geschichte zum Positiven verändert) und ihre Mutter scheint einfach nur gegen alles und jeden zu sein. Meiner Meinung nach wurden diese familiären Probleme sehr authentisch beschrieben und wann immer Gemma deswegen aufgebracht oder frustriert war, konnte ich das gut nachvollziehen.
Auch die Umstände in der Bryn Mawr wurden glaubhaft beschrieben und es war wirklich schön, zu sehen, wie sehr sich die Nachbarschaft durch die Kühe verändert und vor allem zusammenwächst.

Dies ist zwar kein Buch, das den Leser lange im Bann hält und es gibt auch eindeutig spannendere Bücher, aber dennoch hat es mir gut gefallen. Es ist auf jeden Fall eine nette Lektüre für zwischendurch und auch bestens für jüngere Leser geeignet, da besonders Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen hier eine große Rolle spielen.


Fazit:
Zwölf Kühe, die von zwei Mädchen entführt werden und in einer Siedlung mitten in einer Stadt versteckt werden - das klingt erst einmal skurril, ist aber viel mehr als das.
Hinter „Milchmädchen“ steckt eine amüsante Geschichte mit einer wichtigen Botschaft und auch wenn das Buch vielleicht eher eine jüngere Zielgruppe anspricht, konnte es auch mich unterhalten. Wer nach einem Kinder- und Jugendbuch der etwas anderen Art sucht, ist hiermit auf jeden Fall gut bedient!



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