Freitag, 9. Juni 2017

[Rezension] Wunder


Autor: Raquel J. Palacio (aus dem Englischen von André Mumot)          
Verlag: Hanser
Seiten: 384
ISBN 978-3-446-24175-6
Preis: 16,90 € (Hardcover)

Inhalt:
August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August.

Meine Meinung:
Witzigerweise hat sich mein kleiner Bruder (5. Klasse) am selben Tag, an dem ich mir das Buch aus der Bibliothek ausgeliehen habe, selbiges als Schullektüre besorgen müssen. Ich habe mir gedacht, wenn das Buch einen so großen pädagogischen Wert zu haben scheint, muss es entweder unglaublich gut oder unglaublich langweilig sein. Schnell war ich überzeugt: Es ist definitiv ersteres!

„Wunder“ behandelt äußerst wichtige Themen wie Diskriminierung und Mobbing auf eine behutsame, aber auch sehr direkte Weise. Zu Beginn wird aus der Sicht des zehnjährigen August, genannt Auggie, erzählt. Er ist die Hauptfigur in diesem Buch und zeichnet sich durch ein ungewöhnliches, für viele auch erschreckendes Äußeres aus, das von einer Art Gendefekt herrührt. Ich war sofort beeindruckt, wie gelassen Auggie mit seiner Situation umgeht, und von allen Charakteren war er mir mit Abstand der sympathischste. Er hat eine so lustige und liebe Art, dass man ihn einfach gernhaben muss. Seine Gedanken und Gefühle sind stets gut nachvollziehbar und ich konnte mich gut in seine Lage hineinversetzen.
Dass er nicht so begeistert davon ist,  dass er jetzt auf eine „normale“ Schule gehen soll, ist klar.  Obwohl ich es erwartet habe, hat mich das Verhalten der anderen Kinder mehr als schockiert. Auggie wird seine Schulzeit im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle gemacht und er findet nur wenig Anschluss. Aber wie unglaublich gemein diese Kinder zu ihm sind, das hat mich teilweise sprachlos vor diesem Buch sitzen lassen. Und das eine oder andere Mal ist mir tatsächlich ein „Was für Ar***löcher!“ entrutscht. Das Schlimmste war jedoch, dass das alles genau so in Wirklichheit hätte passieren können und auf ähnliche Weise vielleicht sogar schon passiert ist.

Obwohl das Buch eigentlich ein mehr oder weniger normales Alltagsgeschehen beschreibt, ist die Geschichte sehr abwechslungsreich. Mir hat auch gefallen, dass aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, obwohl ich mir ein wenig mehr aus Auggies Sicht erhofft hatte, da für mich diese immer noch die interessanteste ist. Etwas unnötig war meiner Meinung nach, dass der Teil, der aus der Perspektive von Justin, dem festen Freund von  Via (Augusts Schwester), erzählt wird, ausschließlich in Kleinbuchstaben geschrieben ist. Klar kann dies durchaus als Stilmittel verwendet werden, aber hier schien es keine bestimmte Funktion zu haben und störte eher den Lesefluss.
Gegen Ende des Buches kann sich August dann doch langsam in seiner neuen Umgebung beweisen. Was hier noch mehr oder weniger gut enden mag, ist leider längst nicht überall so. Für ein Kinderbuch ist das Ende aber mehr als angemessen.
Wirklich schön fand ich die Idee mit den Maximen: Der Lehrer von August bereitet für jeden Monat eine Art Spruch bzw. Zitat vor, die Mut machen oder zum Nachdenken anregen sollen. Ganz am Ende des Buches gibt es eine kleine Sammlung von diesen Maximen, die ich wirklich süß finde.

„Jeder Mensch auf der Welt sollte zumindest ein Mal Standing Ovations bekommen, denn wir alle überwinden die Welt.“ - Auggies Maxime

Ein wirklich tolles Buch, und das nicht nur für die empfohlene Altergsruppe!


Fazit:
Raquel J. Palacio schafft es, mit ihrem Roman nicht nur zu unterhalten, sondern regt auch zum Nachdenken an und führt einem das eigene Verhalten sowie das Verhalten anderer ganz bewusst vor Augen, ohne mit erhobenem Zeigefinger dazustehen. Eine Geschichte, die aufwühlt, empört und dennoch unwiderstehlichen Charme besitzt - dieses Buch ist mehr als nur ein Kinderbuch, deshalb gibt es von mir auch eine klare Leseempfehlung!

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