Freitag, 26. Mai 2017

[Rezension] Mind Games

Autorin: Teri Terry (aus dem Englischen von Petra Knese)
Verlag: Coppenrath
Seiten: 464
ISBN 978-3649667124
Preis: 17,95€ (Hardcover)

Inhalt:
In Lunas Leben ist jeder online: virtueller Unterricht, Dates und Sport als Avatar, sogar das Parlament tagt digital. Nur Luna bleibt offline. Sie ist eine Verweigerin, seit ihre Mutter vor Jahren in einem Online-Spiel starb. Umso überraschter ist Luna, als sie von der mächtigen Firma PareCo zu einem Einstufungstest eingeladen wird – und einen der begehrten Programmierer-Jobs erhält. Warum hat die Firma so ein großes Interesse an ihr? Als Luna den begabten Hacker Gecko kennenlernt, beginnt sie die von PareCo erschaffene Welt immer mehr zu hinterfragen. Doch dann ist Gecko auf einmal verschwunden, und Luna kann sich nicht mehr an ihn erinnern …

Meine Meinung:
Nachdem mich schon „Book of Lies“, ebenfalls von Teri Terry, sehr begeistern konnte und weil der Klappentext so vielversprechend klang, war mir schnell klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.
Schon von außen ist dieses Buch ein absoluter Hingucker und das Cover mit den kühlen, ineinander verlaufenden Farben und dem leichten Glitzern der lilafarbenen Aspekte passt perfekt zum Buch; außerdem werden schon dort die im Buch immer weiter verschwimmenden Grenzen zwischen der realen und der virtuellen Welt angedeutet. Ich bin wirklich beeindruckt, wie die Autorin dieses Verschwimmen der Grenzen geschaffen hat, ohne Verwirrung zu stiften - im Gegenteil, dass einem vielleicht nicht immer klar ist, ob das Geschehen nun tatsächlich oder „nur“ online stattfindet, hat das Ganze für mich nur noch spannender  und mitreißender gemacht. Dazu gehört auch, dass der Protagonistin Luna, nachdem sie etwas herausgefunden hat, die Erinnerungen genommen werden, sodass man als Leser teilweise mehr weiß, als aus der Sicht der Erzählerin berichtet wird.
Ich fand auch den Aufbau und die Vielseitigkeit der virtuellen Welt sehr faszinierend, in den Korridoren der Firma PareCo schien wirklich alles möglich zu sein. Das Buch wirkt dabei aber nicht wie eine Fantasy-Geschichte - alles erschien mir unglaublich realistisch und ich bin der festen Überzeugung, dass ich nicht die einzige bin, die so eine zukünfige Welt für möglich hält. Somit gibt es auch gesellschaftskritische Aspekte.
An einigen Stellen hat mich „Mind Games“ mit schockierenden Plot Twists überrascht, mit denen ich niemals gerechnet hätte! Gerade gegen Ende hin konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Sehr witzig fand ich die Anspielungen auf die „Gelöscht“-Trilogie (ebenfalls von der Autorin), die in einer der virtuellen Welten auftaucht und die sicherlich schon den einen oder anderen „Insider“ zum Schmunzeln gebracht haben.
Einen riesengroßen Pluspunkt verdient sich die Geschichte dadurch, dass - anders, als zugegebenermaßen von mir erwartet - keine vor Klischees triefende Teenieromanze die Handlung verdrängt, ganz im Gegenteil, es gibt eigentlich so gut wie gar keine Liebesgeschichte, höchstens ein paar Andeutungen. Das finde ich bei diesem Thema auch mehr als angemessen und ich bin der Meinung, dass sich viele Jugendbuchautoren daran ein Beispiel nehmen könnten, denn leider kommt es viel zu häufig vor, dass die tollsten Bücher durch so etwas „zerstört“ werden. Zum Glück ist das hier aber nicht der Fall.
Allerdings habe ich ein paar andere Kritikpunkte:
So spannend das Buch gegen Ende hin auch sein mag, am Anfang war die Geschichte teilweise eher langweilig, bevor es dann richtig losging. Klar, es müssen erstmal die wichtigsten Dinge erklärt werden, aber dennoch habe ich mir da etwas mehr erhofft.
Außerdem wirkten manche Charaktere ziemlich „blass“ und ich hatte an einigen Stellen das Gefühl, dass die Handlung sehr in den Vorder- und die handelnden Figuren eher in den Hintergrund gerückt wurden. Aber das betrifft, wie gesagt, nur einige der Charaktere.
Zum Ende habe ich eine sehr geteilte Meinung - auf der einen Seite ist es sehr offen und lässt Freiraum für Spekulationen, auf der anderen Seite hätte ich mir mehr Erklärungen und Antworten auf die eine oder andere offene Frage gewünscht.
Rückblickend gesehen ist dieses Buch dennoch absolut lesenswert!

Fazit:
„Mind Games“ ist ein spannender Zukunftsthriller voller schockierender Wendungen und dabei sehr realitätsnah - trotz der Kritikpunkte, die ich habe, ist dieses Buch eine absolute Empfehlung für alle, die gerne in fiktive Zukunftswelten abtauchen und denen es nichts ausmacht, wenn die Liebesgeschichte mal nicht im Vordergrund steht!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen