Sonntag, 11. Dezember 2016

[Rezension] Nujeen - Flucht in die Freiheit


Autorin: Nujeen Mustafa
Co-Autorin: Christina Lamb
(Aus dem Englischen von Friedrich Pflüger und Wolfram Ströle)
Verlag: HarperCollins
Seiten: 432
ISBN 978-3959670753
Preis: 18,00€ (Taschenbuch)

Inhalt:
Was bedeutet es wirklich, ein Flüchtling zu sein, durch den Krieg frühzeitig erwachsen werden zu müssen, die geliebte Heimat hinter sich zu lassen und vom Wohlwollen anderer abhängig zu sein?
Die sechzehnjährige Nujeen erzählt, wie der syrische Krieg eine stolze Nation zerstört, Familien auseinander reißt und Menschen zur Flucht zwingt. In Nujeens Fall zu einer Reise durch neun Länder, in einem Rollstuhl. Doch es ist auch die Geschichte einer willensstarken jungen Frau, die in Aleppo durch eine Krankheit ans Haus gefesselt ist und sich mit amerikanischen Seifenopern Englisch beibringt, weil sie die starke Hoffnung auf ein besseres Leben hat. Eine Hoffnung, die sich nun vielleicht fern der Heimat in Deutschland erfüllen kann.
Es ist die Geschichte von Flucht, dem Verlust der Heimat, die Geschichte unserer Zeit – erzählt von einer bemerkenswert tapferen Syrerin, die nie aufgehört hat, zu lächeln.

Meine Meinung:
Aufgrund der aktuellen Ereignisse habe ich beschlossen, dieses Buch zu lesen, und ich kann euch nur raten, es mir gleichzutun.
Nujeens Erzählungen haben mich gleichermaßen überrascht und schockiert, und mit Sicherheit auch dazu beigetragen, dass ich die Flüchtlingskrise jetzt noch einmal von einer ganz anderen Seite sehe.
Das Buch beginnt damit, dass Nujeen von ihrem Leben in Aleppo berichtet, das auch vor dem Krieg schon nicht leicht war. 
Nach und nach verfällt das Land dann immer mehr der Krise, und es ist, als würde man alles hautnah miterleben. Das Buch ist sehr bildlich geschrieben, sodass man sich alles bis ins grausamste Detail schockierend gut vorstellen kann. Was in Syrien Schreckliches geschehen ist und jetzt gerade geschieht, ist einem vielleicht gar nicht so bewusst, aber nach dem Lesen dieses Buches stellt sich nicht länger die Frage, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen, sondern  warum so viele dort bleiben. Für mich persönlich ist es einfach unbegreiflich, wie die Menschen in Syrien mit so viel Gewalt und Unmenschlichkeit in ihrem Alltag klarkommen.
Auch die Flucht nach Deutschland wird sehr anschaulich beschrieben. Dass Nujeen auf ihrer Reise noch Glück gehabt hat, will einem dabei nur schwer in den Kopf. Umso beeindruckender scheint es, dass das Mädchen immer optimistisch bleibt und nie den Mut verliert. Und auch als sie durch ein Fernsehinterview berühmt wird, bleibt sie bodenständig und vor allem eins: sie selbst.
Bei der Ankunft in Europa werden die Dinge, die für uns selbstverständlich erscheinen, noch einmal ganz neu entdeckt.
Dass Nujeen sich mithilfe einer Seifenoper selber Englisch beigebracht hat, finde ich wirklich bewundernswert, und dass ihr zu Ehren eine Extra-Folge der Serie gedreht und in einer Nachrichten-Sendung ausgestrahlt wurde, war ebenso überraschend wie wunderschön. Letztendlich ist sie ja auch nur ein normales Mädchen, das Schreckliches durchgemacht hat, und dieses Buch zeigt, dass jeder Mensch, unabhängig von Herkunft und Religion, das Recht auf ein würdevolles Leben haben sollte.

Fazit:
Ein faszinierendes und berührendes Buch, dass dazu auffordert, Menschen nicht nur als Zahlen zu sehen, und das von einer jungen Frau erzählt, die nie die Hoffnung aufgibt - für mich ein absolutes Lese-Muss!

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