Freitag, 2. Dezember 2016

[Rezension] Es. Ist. Nicht. Fair.

Autorin: Sarah Bentwell (aus dem Englischen von Ute Mihr)
Verlag: Karl Hanser Verlag
Seiten: 352
ISBN 978-3446252967
Preis: 18,00€ (Hardcover)

Inhalt:
Mit der Diagnose ALS ist nichts mehr, wie es war, für den 17-jährigen Sora. Er wird sterben. Bald. Konfrontiert mit dieser Wahrheit sucht Sora nach einem Rest Selbstbestimmung und Würde. Einen geschützten Raum findet er in Chats im Internet. Hier findet er auch neue Freunde: die vom Zeichnen besessene Mai und den liebenswerten Kaito. Doch werden die beiden ihn auch noch mögen, wenn sie ihn richtig kennenlernen? Wenn sie alles über ihn wissen? Soras Gedanken kreisen immer konkreter um den Plan, wenigstens den Zeitpunkt seines Todes selbst zu bestimmen. Nur dafür braucht er die Hilfe seiner Freunde. Eine bewegende Geschichte über Krankheit und Tod, aber auch über die Kraft wahrer Freundschaft.

Meine Meinung:
Durch die viele positive Kritik bin ich neugierig auf dieses Buch geworden, und obwohl es wirklich vielversprechend klang, entsprach es leider nicht meinen Erwartungen.
Schon der Anfang hat mir nicht besonders gut gefallen - eigentlich ist der Protagonist Sora nur am herumjammern, was für ein schreckliches Leben er doch hat, was zwar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar ist, einem aber schon nach kurzer Zeit auf die Nerven geht.
 Auch von diesem ungelungenen Einstieg abgesehen, hat mir der Charakter Sora nicht wirklich gut gefallen, und es fiel mir auch irgendwie schwer, Mitleid mit ihm zu haben. Das hat zum Teil auch mit seinem wirklich seltsamen Verhalten zu tun: Weil er so einsam ist, loggt er sich in einem Chatroom ein und hat nach einem kleinen „Anfall“ im Chatroom, wenn man das denn so nennen kann, plötzlich Angst, dass alle seine Freunde (die er vielleicht seit zwei Tagen kennt) nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen.
Nein, stattdessen will seine Mutter, dass er seine Internet(!)-Freunde zum Essen einlädt. Natürlich sagen auch alle zu, obwohl sie sich, wie schon gesagt, kaum kennen.
Zuerst sind sie dann total abgeschreckt von Soras Krankheit, um dann keine 24 Stunden später wieder voll hinter ihm zu stehen.
Außerdem ist das Buch zu großen Teilen im Chatstil geschrieben, was nach einiger Zeit beim Lesen genervt hat. Das übertriebene Verwenden von Smileys etc. wirkte auf mich etwas unprofessionell.
Ein weiterer Punkt, der mich stört, ist, dass zunächst ständig berichtet wird, dass Kinder und Jugendliche im ganzen Land Spam-Mails erhalten, in denen sie aufgefordert werden, Suizid zu begehen. Da könnte man doch meinen, das hat irgendeine wichtige Bedeutung für den Verlauf bzw. den Ausgang des Buches - aber ganz im Gegenteil! Irgendwann wird das Thema einfach fallengelassen.
Das Ende hat mich teilweise sehr an „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes erinnert und konnte mich irgendwie nicht so berühren, wie es wahrscheinlich sollte.
Natürlich gibt es in dem Buch auch ein paar Sachen, die mir ganz gut gefallen haben. So war es für mich zum Beispiel interessant, ein Buch zu lesen, das in Japan spielt, was man, wenn man nicht in der Manga-Welt unterwegs ist, ja nicht so häufig liest. Auch die Idee und die Umsetzung des „Wunschbaums“ fand ich sehr schön.
Insgesamt würde ich aber sagen, dass die negativen Punkte eher überwiegen, und dass es durchaus bessere und schönere Bücher zu dem Thema gibt. Dieses Buch jedenfalls würde ich nicht unbedingt weiterempfehlen.

Fazit:
„Es. Ist. Nicht. Fair.“ hat mir wider Erwartungen nicht besonders gut gefallen. Meiner Meinung nach fehlen dem Buch einfach die Emotionen, außerdem ist es an einigen Stellen ziemlich unrealistisch und wirkt wie eine nicht sonderlich gelungene „Zusammensetzung“ aus verschiedenen Büchern. Leider keine Leseempfehlung.

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